Schreibwerkstatt im Café Nil am 23.1.2016

Impressionen und Reflexionen eines Teilnehmers an der Schreibwerkstatt „Verlängerter“

Nil_Blog

Samstag Vormittag treffen wir uns im Café Nil zum „Verlängerten“, einer offenen Schreibwerkstatt, bei der wir mitgebrachte Texte und eigenen Schreibprojekte besprechen und uns austauschen. Diesmal sind wir nur zwei Teilnehmer und Barbara Rieger, die ich schon von einigen Schreibworkshops kenne.
Die drei Stunden vergehen wie im Flug. Später halte ich meine Erkenntnisse fest…

 

Das Wichtigste
Schreiben macht Spaß und solange es Spaß macht, ist es ok!

 

Feedback nehmen
Oft höre ich im Feedback von anderen genau das, was ich schon selbst zu meinen Texten empfinde. Was ich selbst nicht immer fassen und benennen kann, wird durch das Feedback der anderen konkreter. Mein eigener Eindruck wird gestärkt und das hilft mir mein Level zu eichen. Alleine gelingt mir das nicht in dieser Form, aber ich stelle fest, dass ich immer besser eigene und fremde Texte beurteilen kann. Und das ist hilfreich und notwendig, um meinen eigenen Schreibstil zu entwickeln. So kann ich herausfinden, wo und wie ich weiter machen kann.

 

Feedback geben
Es ist ermutigend und interessant zu sehen, wie und woran R. arbeitet. Ich bin mir sicher, dass der Austausch und die Zusammenarbeit mit ihm für mich sehr fruchtbringend sein wird.
Gespannt lausche ich seinem Text und formuliere, was mir dabei auffällt und gefällt. Der Text ist für mich stimmig, das Geschehen und der Inhalt sind in Text und Stil detailliert eingefangen, mit gelungenen Rückblenden, anschaulich und manchmal mit Pointe und mit doppelter Bedeutung. Es ist nicht gleich klar, worum es genau geht, erst gegen Ende des Textes wissen wir, dass es sich um einen Flüchtling handelt. Aus meiner Sicht gelungen. Barbara ist wie immer sehr genau, vieles fällt ihr auf, sie stellt Fragen und gibt Hinweise, wo der Text noch etwas hackt.
Beim Feedback geben merke ich, dass ich selbst ein immer besseres „Standing“ bekomme. Vor einem Jahr fiel es mir noch viel schwerer, meine Meinung zu Texten auszudrücken.
Der Fortschritt beflügelt mich, auch über das Schreiben hinaus. Ich werde bewusster, wenn ich einzelnen Menschen begegne.

 

Weiterschreiben
Ein wichtiger Punkt für mich war die Frage, wie ich mein Tagebuchschreiben mit meinem Romanprojekt zusammen bringen kann, wie die Art und Weise meine Gedanken auszudrücken, in meinen schreiberischen Stil einfließen kann. Es ist mir durch die Schreibwerkstatt ein bisschen deutlicher geworden:

Ich könnte es gut vermischen, indem ich das Abstrakte, das in meinen Texten oft auftaucht, mit konkreten Ereignissen zusammen führe. Dadurch kann in meinem Roman, der ja eher ein Thriller ist, eine interessante philosophische Ebene einfließen.

Einige meiner Wendungen in dem Text, den ich mitgebracht hatte, waren erfrischend, sie kamen bei den Lesern gut an.
Ich achte darauf, mehr zu zeigen als zu erklären. Aus den Figuren, in ihrer Sprechweise, ihrem Verhalten und der Beziehung zueinander, schöpft der Text seine Wirkung.

 

Weiterleben
„Die Poesie der Primzahlen“ von Daniel Tammet habe ich nach der Schreibwerkstatt bei Thalia gefunden, passend zu meinem Tagebuchtext. Das Buch berichtet  über das Verhältnis von Poesie zur Mathematik. Etwas, das mich fasziniert und das ich in mein Romanprojekt integrieren will.
Ich sehe wieder, wie wichtig es ist, den Schreibplatz zu verlassen und Konkretes zu unternehmen, um auf neue Bücher zu stoßen, aber auch auf neue Menschen und Gesichter.
Nach einem Schreibworkshop sehe ich alles mit anderen, mit besondern Augen: in der U-Bahn, beim Einkaufen..
Das Innere spiegelt sich im Äußeren, ich sehe Dinge, die mir, bevor ich zu schreiben begonnen habe, niemals aufgefallen wären. Ich merke, dass sich mein geistiger Blick schon ein bisschen von den Einengungen meines alltäglichen Lebens gelöst hat und ich offener und mutiger geworden bin. Durch das Schreiben.

 

Die Poesie
Ich sitze und schreibe, weil die Poesie da ist, weil sie überall ist. Die Dramen des Lebens, die schönen Seiten genau so wie die hässlichen, nicht verloren, sondern nur vergangen, sie leben hier und jetzt in mir fort, wo sie durch das Schreiben Gestalt annehmen.
Bei einer Schreibwerkstatt, bei der sich die Teilnehmer gegenseitig Text vorlesen, sind die Zuhörer aktiv bei der Aufschlüsselung des Gelesenen beteiligt und machen den Text gemeinsam lebendig. Das ist nicht nur eine schöne Erfahrung, sondern ist auch nachhaltig, weil es mir wieder zeigt, wie ich so lebe, dass ich darin Sinn finde.

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