Freud und Küchenleid

Ich drückte sie sanft von mir und fragte: „Was machst du hier? Was soll das alles sein?“
„Ich bin noch nicht fertig.“ Sie kicherte. „Ich blanchiere gerade Ödipus.“
Ich schüttelte mich und warf einen genaueren Blick auf den Herd, auf dem eine Pfanne und zwei Töpfe standen, aus denen Rauch aufstieg. Sie schien tatsächlich Fleisch zu kochen.
„Und dann gebe ich all deine Neurosen dazu und salze sie und das Ganze garnieren wir mit Tiefenschwindel.“ Ich schüttelte den Kopf und versuchte einen Blick in ihre Augen zu erhaschen. Sie wirkte, als hätte ich sie mein Psychologie Lehrbuch geraucht.
„Und weißt du, womit wir es abschmecken? Mit einer ordentlichen Portion Vodka!“ Sie griff nach der Flasche. „Oh, schon leer“, stöhnte sie und ließ sich auf den Küchenboden sinken.

Barbara Rieger 2014
möglicher Ausschnitt meines Romanprojekts, entstanden zu einem Schreibimpuls von Michael im Café Freud, 28.11.14

 

 

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