Der Kaffee bei Mario

Der Kaffee bei Mario
in der Bar hinter dem Bahnhof
wo die Bauarbeiter
neben den Buchhaltern am Tresen steh’n
und weiß Gott wem
ihre Geschichten erzähl’n
der Flasche Cynar vor dem Spiegel
den Brioches in der Vitrine.

 

Dieser Kaffee, von dem ich spreche
ist wie ein schwarzes Loch
in dem die Wirklichkeit sich kondensiert
konzentriert / eindickt / reduziert / sublimiert
ist der Kick in der Nusschale
schneller eingeworfen als ein Atemzug
und es beibt
der bittere Duft
die leere Tasse
die Mario sofort verschwinden lässt
als ob nichts gewesen wäre.

 

Zweihundert Lire auf dem Tresen
Ciao Mario
Keiner hört zu
Draußen Regen.

 

Text: Michael Giongo; entstanden bei einem Feder-im-Café-Schreibworkshop von Barbara Rieger im Café Nil am 8. September 2014