Finnisch und Krankenhausgrün

Finnisch unter Krankenhausgrün,
die Sprache könn’ ich lernen,
würd’ ich mich nur bemüh’n;

Im krankenhausgrünen Café,
im Stimmenmeer,
sitzen sie hinter mir,
finnische Eltern bei einem Bier.

Ich kann nur ein paar Worte Finnisch
und werd’ ich gefragt: „Warum lernst du’s nicht?“
antworte ich: „Zu faul bin ich!“

Verfasst am 10.3. im Café Nil

(c) Caravogue

Von Kalendern und nicht so hellen Leuchten

Ich bin der Kalender im NIL, dem Café, das so ziemlich jeder Wiener kennt. Recht originell, das muss ich gleich sagen, sehe ich nicht aus, denn ich wurde nach Vorlage der NIL-Zigarettenpackung gemacht. Ihr wisst schon… Dieses tiefe Blau. Der Adler oben mittig, das Wort „REGIE“ gleich darunter. Und darunter wiederum der NIL-Schriftzug in kräftigen weißen Lettern. So, aber jetzt weicht mein Aussehen doch von der Tschick-Schachtel ab, denn ich bin ja ein Kalender und somit wird von mir Zeitinformation erwartet. Also wurden mir unter dem NIL-Schriftzug vier weiße Fenster verpasst, wovon die zwei größeren in der Mitte den Monatstag anzeigen, also zum Beispiel „10“, wenn es der 10. März ist. Zwei kleinere Fenster, jeweils eins links und rechts von den Ziffernfenstern, sagen euch auch die Wochentage und den Monat. Die sind aber so klein, dass ihr schon sehr nahe zu mir müsst, um das lesen zu können. Unpraktisch. Meint auch die Deckenlampe, die mir schon seit was weiß ich wie vielen Jahren gegenüber hängt. „Ich“, sagt sie immer, „weiß nie welchen Wochentag und Monat wir gerade haben.“ Zu meiner Beschämung weiß ich das aber oft selber nicht. Ich bin als Tafel an der Wand neben der Küche fixiert, also ich kann mich auch nicht einfach so runterbeugen und das einfach lesen. Wir erfahren die Wochentage und Monate  meist erst dann, wenn sich Leute darüber beschweren, dass „schon wieder Montag“ ist oder wenn sie sich freuen, dass „endlich“ Freitag ist. Oder wenn sie jammern, dass wir schon April, aber „der scheiß Frühling immer noch nicht“ da ist. Was die Zeit angeht gibt es bei Menschen immer nur „schon wieder“, „endlich“ oder „immer noch nicht“. Wir tun so als hätte das Relevanz für uns, die Zeit. Dabei sind die Lampe und ich ziemlich alterslos. Weil wir das wissen – und nur, weil wir an irgendwelchen Wänden fixiert sind – müssen wir uns geistige Unterhaltung suchen. Selbst wenn wir nicht wo angenagelt oder aufgehängt wären – wir haben ja keine Beine mit denen wir fortlaufen könnten. Unsere Highlights des Tages bestehen aus „Licht machen“ und „Anzeige ausgetauscht bekommen“. Die orientalische Lampe sagt dann immer „Mir ist ein Licht aufgegangen!“. Aus Höflichkeit lache ich. Manchmal. Ab und zu erlebe ich aber doch etwas. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal seit vier Jahren wieder einen 29. Februar anzeigen dürfen! Ja, ihr lacht vielleicht, aber für mich ist das eine große Sache. An einem 29.2. deuten die Leute den ganzen Tag lang auf mich und unterhalten sich über DAS besondere Datum, das ICH  ihnen anzeige, das sie ohne mich schon fast vergessen hätten. Ich glaube, anderen Kalendern geht es gleich. Die Hängelampe versteht meine Freude darüber nicht. Aber das nehme ich ihr nicht übel. Sie ist ja nun wirklich nicht die Hellste.

Verfasst am 10. 3. im Café Nil

(c) Caravogue

Lesung Laura Chaplin

Laura war bei der Lesung aus ihrem neuen Buch „Lachen ist der erste Schritt zum Glück“ am 15. April 2016 in der Thalia-Buchhandlung durch das, was sie tut präsent. Dabei sind Klischees von Kindern aus reichen Familien in mir einer Bewunderung gewichen.
Sie hat sich für ihren Weg entschieden und den geht sie. Wie auch Charlie ihr Großvater. Das verbindet die beiden miteinander und dass Humor selbst schon Heilung darstellt – in einer Welt voller Traurigkeit wie in Syrien und Kriminalität wie in Kolumbien. Es ist zu wünschen, dass die Botschaft auch hier im Westen gehört wird. Hier, wo äußerlich viele viel haben aber innerlich viel verloren haben, sollte ein Lächeln uns besser machen, das heißt sich miteinander zu erfreuen. Die Botschafterin des Lachens hat das alles sehr stark bei dieser Lesung am 15. April 2016 vermittelt. Barbara und Walter hatten ihr dabei geholfen, ein Buch zu erschaffen, das über mehr als Charlie Chaplins Leben und das von Lauras Familie vermittelt. Erst über Barbara bin ich auf Laura aufmerksam geworden. Der 15. April war auch der Tag, an dem von der deutschen Bundeskanzlerin entschieden wurde, dass der Satiriker Böhmermann wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsmannes Erdogan nach deutschem Recht angeklagt wird, weil er einem Mächtigen seine Lächerlichkeit vor Augen geführt hat, worüber dieser nicht lachen konnte. Dieser Zusammenfall von Lesung aus dem ersten Buch von Laura und der Entscheidung von der deutschen Bundeskanzlerin Angelika Merkel hat dem Ereignissen noch etwas Politisches und Existentielles drauf gesetzt. Ist das alles nur ein Stummfilm, in dem ich da hinein geraten bin? In einer Zeit, in der die Meinungsfreiheit plötzlich zumindest in Frage gestellt wird, kämpft Laura um ein weiteres Menschenrecht, das Recht auf Lachen. Ich will sie dabei gerne unterstützen.

Kaffeehausgeklimpere

Ich liebe Wien, ich liebe Schreibwerkstätten – warum nicht beides verbinden?
Gesagt – getan,
gedacht – gemacht,
und so saß ich an einem Donnerstag Abend im Cafe Nil auf einen Verlängerten. Spielerisch hat uns Barbara durch originelle Schreibübungen geführt. Dass da am Ende sogar ein Gedicht entstand (das mich irre freut), dass hätt ich nicht gedacht, auch nicht wie kreativ und lustvoll wir das erarbeitet haben:

 

Cafe Nil

 

Wer bin ich?
fragt das Zitronenfruchtfleisch im Glas
den Schatten an der Wand.
Kindergekiekse
könnte eine Antwort sein.
Lass uns doch noch ein Achtel Weißwein bestellen
in dem sich die Deckenbeleuchtung spiegelt.

 

Und weil’s so schön war, ging’s am Samstag Vormittag weiter: Textarbeit. Wir waren zu dritt. Jede/r von uns hatte ein Projekt, oder ein Anliegen. Hochkonzentriert, motiviert und voller Esprit haben wir Texte gehört, gelesen und konstruktiv besprochen. Die Zeit verging wie im Flug und tief berührt haben wir uns nach 3 Stunden verabschiedet. Mehr davon, ich komme wieder…..

Sabine, aus München

Aktionismus im 21 er Haus

In den 60 – er und 70 – er Jahren war der Aktionismus in Wien noch eine Erregung. In der Ausstellung im 21 –  er Haus zum Gesamtwerk von Peter Weibel spüre ich noch diese ursprüngliche Regung. Die Rockgitarren und die Sprachmaschine Peter Weibel erzeugen an diesem Abend des 10.Jänner 2015 eine spürbare Vibration im Publikum.  Als würden sich die unsichtbaren Kräfte des Universums hier präsentieren.  Rituale des Sprechens, des dröhnenden Sounds, die Welt,  eingeschmolzen im Feuer einer gefährlichen Leidenschaft. Hoffnung erwacht aus der dunklen Masse,  erhebt sich aus einer digitalisierten Welt.

Es geht  immer um das Konkrete. Die Erde in einen besseren Zustand zu bringen, für die einen, die anderen schert das nicht, solange der Profit stimmt. Das Konzert der Gruppe „Hotel Morphila Orchester“  beweist mir, dass in dieser Stadt einmal richtig was los ist.

Hier noch der Link zur Ausstellung http://www.21erhaus.at/de